Meerschweinchen

30 Mai 2009 2 Kommentare
eingetragen unter: Allgemeines

Meerschweinchen Gruppe

 Herkunft:
Wildmeerschweinchen kommen ursprünglich aus den südamerikanischen Anden. Schon lange bevor sie zu uns kamen, hielten die Indios sie als Haustiere, denn die Meerschweinchen waren eine willkommene Abwechslung auf ihrem Speiseplan. Nach der Entdeckung Amerikas gelangten sie im Gepäck der Seefahrer nach Europa, wo sie sehr schnell zum beliebten Heimtier wurden. Durch jahrhundertlange Zucht entstanden unzählige Rassen verschiedener Farben und Fellbeschaffenheit.

Lebensweise:
Meerschweinchen sind tagaktive, gesellige und bewegungsfreudige Nagetiere, die in der Natur in größeren Gruppen leben und natürliche Höhlen wie Steinspalten bewohnen.Lebenserwartung:
Meerschweinchen können bis zu 8 Jahren alt werden (und älter).

Ernährung:
Meerschweinchen haben ihre Ernährung der kargen Kost des Hochgebirges angepasst. Somit ist die Grundnahrung gutes Heu, daneben fressen sie frisches Grünfutter (Löwenzahn usw.), Gemüse (besonders beliebt sind Salatgurken und Möhren) und Obst. Im Handel gibt es Fertigfuttermischungen für Meerschweinchen. Frisches Trinkwasser muss jederzeit verfügbar sein. Nagematerial im Form von z.B. Obstbaumzweigen oder Knäckebrot anbieten.

Heimtierhaltung:
Meerschweinchen werden oft angepriesen als unkomplizierte, pflegeleichte, lebendige Kuscheltiere für Kinder, beißen angeblich nie und fühlen sich wohl in der kleinsten Hütte. Seien Sie versichert, dass dem nicht so ist! An erster Stelle im Meerschweinchen-Leben steht das Sozialleben der Tiere, die von Natur aus sehr gesellig sind. Ihre Kontakte werden begleitet von vielerlei Lautäußerungen wie Quieken in den verschiedensten Variationen, Zähneklappern und vielem mehr. Ihre Körpersprache reicht von freundlichem Anstupsen bis hin zu drohendem “groß machen” und beieindruckend Hin- und Herwackeln.

Wer einmal eine ganze Meerschweinchen-Sippe länger beobachtet hat weiß, wie langweilig und schrecklich das Leben eines einzeln gehaltenen Meerschweinchens sein muss. Ganz egal, wie viel ein Mensch sich um so ein Tier kümmert, er wird ihm nie einen (oder mehrere) Artgenossen ersetzen können. Das bedeutet für Sie, dass Sie niemals weniger als zwei Meerschweinchen in Ihrer Obhut haben werden, wenn hinter der Motivation für Ihre Tierhaltung ein wenig Tierliebe steckt.

In Bezug auf die Frage “Wer mit Wem” gilt es einiges zu beachten: Gleichgeschlechtliche Tiere, die miteinander aufwachsen, vertragen sich in der Regel sehr gut miteinander. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird, gilt dies auch für die männlichen Tiere (man darf natürlich nicht verlangen, dass sie sich immer noch vertragen, wenn man ein Weibchen dazu setzt!). Wenn Sie ein Pärchen (oder mehrere) zusammen halten wollen, lassen sie unbedingt die männlichen Tiere kastrieren, sonst wird aus zwei Meerschweinchen innerhalb eines Jahres ein unüberschaubares Durcheinander von einigen Dutzend Meerschweinchen. Bei der Kastration ist zu beachten, dass die männlichen Tiere dadurch nicht sofort unfruchtbar, sondern noch ca. vier Wochen danach zeugungsfähig sind. Fremde erwachsene Tiere miteinander zu vergesellschaften ist nur problematisch, wenn es sich um nicht kastrierte Männchen handelt.

Die “einfache Lösung”, einem Meerschweinchen ein Kaninchen als Gefährten anzubieten, ist weder für ein Meerschweinchen noch für ein Kaninchen eine glückliche Lösung. Da sich die beiden Tierarten in Verhalten und Körpersprache vollkommen unterscheiden, hat so ein gemischtes Pärchen in der Regel nichts voneinander, sondern Meerschweinchen und Kaninchen sind dann „gemeinsam einsam“. Im schlimmsten Fall endet diese Partnerschaft in einer Beißerei, die vom Kaninchen ausgeht und beim Meerschweinchen üble Verletzungen hervorruft. Sie müssen sich also im Interesse der Tiere entscheiden, entweder für zwei Meerschweinchen oder zwei Kaninchen, denn ein Kaninchen kann einem Meerschweinchen genauso wenig den Partner ersetzen wie ein Mensch.

Tipp:
In Tierheimen und bei Tierschutzvereinen warten übrigens immer viele “überflüssige” Meerschweinchen verschiedenen Alters auf ein neues Zuhause!

Eine ganz wichtige Frage ist:
Wo sollen die Meerschweinchen leben? Die handelsüblichen Meerschweinchenkäfige sind in der Regel viel zu klein, so dass sie sich schon genau umschauen müssen, um etwas Akzeptables zu finden. Natürlich können Sie auch auf “Marke Eigenbau” zurückgreifen, was Ihren Meerschweinchen sicherlich gefallen wird. Für zwei bis vier Tiere sollte die Grundfläche des Käfigs zwei Quadratmeter auf keinen Fall unterschreiten. Falls Sie das Ihren Tieren nicht bieten können oder wollen, sollten Sie in deren Interesse wirklich auf eine Haltung verzichten.

Ausgestattet sein muss der Käfig mit Schlafhäuschen, Röhren und sonstigen Gegenständen (z.B. Steine und Wurzeln), die zum verstecken, drüber springen, drum herumlaufen oder drauf sitzen einladen. Ihre Meerschweinchen sind froh über jede Abwechslung, und das nicht nur innerhalb des Käfigs. Deshalb sollten Sie Ihre Tiere so oft wie irgend möglich aus ihrem doch stark eingeschränkten Lebensraum herauslassen und Ihre Wohnung erkunden lassen. Doch Vorsicht: auch hier bleiben Meerschweinchen Nagetiere, d.h. sie werden das ein oder andere Möbelstück mit ihren Zähnen “verzieren” oder die beste Literatur in Konfetti verwandeln. Abgesehen davon müssen Sie mögliche Gefahrenquellen wie Stromkabel oder giftige Zimmerpflanzen aus der Reichweite der Tiere entfernen, um Unfällen vorzubeugen. Mit einem weiteren Problem müssen Sie so gut es geht leben: Meerschweinchen werden leider nicht stubenrein.

Im Sommer können Sie ihnen sogar in ihrem Garten ein Freigehege errichten, wo die Tiere “Natur pur” erleben können. Dabei müssen Sie natürlich unbedingt darauf achten, dass keine Raubtiere (Katzen, Vögel etc.) in das Gehege eindringen können. Eine ganzjährige Außenhaltung ist für Meerschweinchen übrigens keinesfalls empfehlenswert, da kalte und feuchte Witterung der Gesundheit der Tiere sehr abträglich ist.

Krankheiten:
Die meisten Krankheiten entstehen durch unsachgemäße Haltung und Ernährung. So führen Zugluft und Kälte oft zu schlimmen Erkältungskrankheiten, die unbedingt durch einen Tierarzt behandelt werden müssen. Bei unsauberer Haltung tritt oft Befall mit Parasiten wie Milben, Haarlingen und Würmern auf, falsches oder verdorbenes Futter verursacht schnell Durchfall. Schon Stürze aus geringer Höhe können Knochenbrüche verursachen; Knochenbrüche sind auch oft das Ergebnis von zu festem Zupacken! Die Vermutung, dass Meerschweinchen wegen ihres Namens etwas mit “Meer” zu tun haben und deswegen gerne schwimmen, ist falsch. Meerschweinchen mögen Wasser wirklich nur zum trinken! Deswegen: bewahren Sie Ihre Kinder vor diesbezüglichen Experimenten!

Besonderheiten:
Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere für Kinder. Trotz ihres robusten Aussehens sind sie sehr “zerbrechlich”, und ein Kind, welches sein Meerschweinchen vor lauter Liebe ganz fest drückt, kann dem Tier damit schwerste Verletzungen zufügen. Kuscheln, gegenseitiges Ablecken oder stundenlang ganz nah aneinander liegen und schmusen existieren im Meerschweinchen-Verhalten nicht. Deshalb sollten wir mit unseren Streicheleinheiten für die Meerschweinchen etwas zurückhaltend sein und ihnen unsere Liebe besser zeigen durch eine artgerechte Haltung in unserer Obhut – wo sie einfach Meerschweinchen sein dürfen und nicht als lebendiges Spielzeug herhalten müssen.

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2 Kommentare zu “Meerschweinchen”

  1. Strietzel sagt:

    über Krankheiten von Meerschweinchen
    Meerschweinchen sind relativ wenig anfällig für Krankheiten. Wenn sie doch einmal erkranken sollten, sind diese Krankheiten oft lebensbedrohlich und es ist am besten, umgehend einen Tierarzt aufzusuchen. Wichtig ist eine permanente Krankheitsvorbeuge.

    Meerschweinchen sind als Heim- und Spieltiere außerordentlich beliebt, nicht zuletzt weil sie hinsichtlich ihrer Haltungs- und Pflegeansprüche als komplikationslos gelten. Doch treten gerade beim Meerschweinchen eine Reihe von Erkrankungen auf, die durch einfache vorbeugende Maßnahmen verhindert werden können.

    Meerschweinchen sind ebenso wenig wie der Mensch in der Lage, Vitamin C zu bilden und sind auf die Zufuhr des Vitamins mit der Nahrung angewiesen. Gerade in den grünfutterarmen Wintermonaten muß daher auf eine ausgewogene Fütterung geachtet werden. Das übliche Fertigfutter muß unbedingt durch aromatisches Heu, Obst und Gemüse ergänzt werden. Handelsübliche Trockenfutter- Mischungen sind zwar mit Vitaminen angereichert, zugesetztes Vitamin C verliert aber bereits nach neun bis zwölf Wochen Lagerzeit seine Wirksamkeit. Daher können Vitaminzusätze, besonders im Winter, bei nicht optimal gesunden Tieren erforderlich sein.

    Vitamin C Mangel führt bei Meerschweinchen ebenso wie beim Menschen zu Skorbut. Erkrankte Tiere leiden unter Gelenk- und Muskelentzündung, einer hartnäckigen Entzündung im Bereich der Lippenwinkel, unter Zahnfleischentzündung und Zahnverlust.

    Grundsätzlich sollten Meerschweinchenbesitzer die Zahngesundheit ihrer Schützlinge im Auge haben. Zahnfehlstellungen sind durch das lebenslange Zahnwachstum und fehlende Nagemöglichkeiten beim Meerschweinchen leider weit verbreitet. Wichtig ist es, hartes, altes Brot oder besser sogar Obstbaumzweige zum Benagen anzubieten, um eine gleichmäßige Abnutzung der Zähne zu gewährleisten. Sowohl die Schneidezähne als auch die Backenzähne sollten regelmäßig vom Tierarzt auf korrektes Wachstum überprüft werden.

    In ihrer südamerikanischen Heimat leben Meerschweinchen in Höhen bis zu 4200 Meter. Die karge Nahrung muß durch Graben und Scharren auf hartem Untergrund beschafft werden. Dadurch nutzen sich die Krallen der Tiere ständig ab. In der Käfighaltung gibt es diese Möglichkeit nicht. Die Krallen müssen regelmäßig gekürzt werden, da sie sonst in die Fußballen einwachsen können und nur schwer zu behandelnde Abszesse verursachen können.

    Nicht selten kommen beim Meerschweinchen Darmparasiten vor. Kokzidien sind einzellige Lebewesen, die in der Darmschleimhaut des Meerschweinchens parasitieren. Mangelnder Appetit, glanzloses Haarkleid und Durchfall sind die Folge. Besonders bei Jungtieren kann der Kokzidienbefall zum Tode führen. Daher sollte insbesondere bei neugekauften Meerschweinchen eine Kotuntersuchung beim Tierarzt veranlasst werden.

    Bei der Vorbeuge, Behandlung und Nachsorge von Krankheiten sollte auch ein psychologischer Aspekt nicht vernachlässigt werden: das Wohlbefinden eines Meerschweinchens hängt – wie bei allen Menschen und Tieren – nicht nur primär von gutem Futter, einer sauberen Umgebung und freundlichen Worten des Halters ab, sondern auch von Sympathien und Antipathien innerhalb seiner sozialen Umgebung.
    In größeren Beständen sollte eine Gruppenbildung der Tiere deshalb auch unter Sympathiekriterien durchgeführt werden.

    Auf Erkrankungen deuten hin:
    Abmagerung, häufiges Kratzen, Juckreiz, Haarausfall, Ekzeme, Konjunktivitis, Husten, Freßunlust, Blähungen, Durchfall, Schmerzen, geändertes Verhalten u.v.a.

    Krankheiten der Haut und des Haarkleides
    Diese zeigen sich durch Juckreiz, Kratzen, Haarausfall. Ursachen dafür können infizierte Verletzungen, Pilze, Milben, Haarlinge, Läuse, unzureichende Zufuhr von Vitamin C und Hormonstörungen sein.

    Vorsicht: Hautpilze sind vom und auf den Menschen übertragbar!

    Die mikroskopisch kleinen Organismen siedeln sich im Fell und auf der Haut an und erzeugen Tausende von Pilzsporen, die der Weiterverbreitung dienen. Sowohl durch direkten Kontakt als auch durch Pflegeutensilien, Futtermittel, Decken und andere Gegenstände kann die Erkrankung von Tier zu Tier, vom Tier auf den Menschen und vom Menschen aufs Tier übertragen werden.

    Bei erkrankten Tieren finden sich als typische Hautveränderungen kreisrunde haarlose Stellen, hauptsächlich am Kopf, am Hals, in Ohrnähe oder an den Gliedmaßen. Sie sind mit Schuppen oder Borken belegt und zur geschlossenen Felldecke hin mit einem roten, entzündeten Randsaum begrenzt. Teilweise können diese Veränderungen mit deutlichem Juckreiz verbunden sein.

    An derart vorgeschädigten Hautstellen haben auch Bakterien leichtes Spiel und können das Krankheitsbild deutlich komplizieren. Darüber hinaus gibt es auch atypische Verlaufsformen, die je nach Tierart, Pilzart und Abwehrlage des Tieres variable Hautveränderungen hervorrufen. Deshalb sollten alle Tiere mit deutlichen Hautveränderungen frühzeitig tierärztlich untersucht werden. Da auch nicht übertragbare Hautkrankheiten vergleichbare Krankheitsbilder zeigen können, ist zur Diagnose in aller Regel eine Laboruntersuchung erforderlich.

    Beim Menschen beginnt die Erkrankung mit einem rötlichen, linsengroßen schuppigen und juckenden Fleck, meist an Unterarmen, Beinen oder im Gesicht, der nach außen wächst, während die Mitte abheilt. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, entstehen zahlreiche solcher Herde, die landkartenartig zusammenfließen können. Am behaarten Kopf können rundliche, kahle, grauweiß beschuppte Flecken entstehen.

    Zur Behandlung bei Tier und Mensch stehen pilzund sporenabtötende Salben, Lotionen, Sprühlösungen und Tabletten zur Verfügung. Die Heilung kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

    Vorbeugend sollte auf besondere Hygiene im Umgang mit hauterkrankten Tieren geachtet werden.

    Infektionskrankheiten
    Sie sind meist hochgradig ansteckend. Symptome sind Teilnahmslosigkeit, Freßunlust, Husten, Nasen- und Augenausfluß, Durchfall, Lähmungen. Bei derartigen Symptomen sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden!

    Die am meisten gefürchtete Viruskrankheit ist die Meerschweinchen- Lähme, bei den bakteriellen Infektionen steht die Pseudotuberkulose (Rodentiose) an erster Stelle. Leider ist keines dieser Leiden heilbar. Sehr gefährlich ist auch der infektiöse Schnupfen, der sehr schnell zu einer Lungenentzündung werden kann.

    Wichtig ist es, diesen Krankheiten vorzubeugen. Feuchtigkeit, Zugluft, wechselnde Temperaturen sowie Fehler in der Ernährung begünstigen Infektionen und müssen unbedingt vermieden werden.

    Krankheiten der Verdauungsorgane
    Anzeichen können Kaubeschwerden, Blähungen, Durchfall, Verstopfung sein.

    Meerschweinchen sind empfindliche Kostgänger. Als Pflanzenfresser besitzen sie ein hochkompliziertes Verdauungssystem, das dem des Pferdes vergleichbar und ebenso störanfällig ist. Die Tiere haben einen nur schwach bemuskelten Magen, der zum Weitertransport der Nahrung in den Darm nur wenig beitragen kann. Daher muß ständig Nahrung aufgenommen werden, damit das nachdrängende Futter den Nahrungsbrei in den Darm weiterschieben kann. Der Dünndarm, in dem ein überwiegend enzymatischer Verdauungsprozess stattfindet, ist mit eineinhalb Metern beim Meerschweinchen extrem lang. Ein großer Blinddarm beherbergt unzählige Mikroorganismen, die die mit der Nahrung aufgenommene Rohfaser durch Vergährung aufschließen. Im Grimmdarm wird dem Verdauungsbrei Wasser entzogen. So entstehen die arttypischen Kotbällchen, die der Enddarm ausscheidet.

    Ist die Nahrungsaufnahme der Tiere behindert, die Bewegung ihres Darmes einschränkt, die Bildung und Abgabe von Verdauungsenzymen gestört oder die Zusammensetzung des Darminhaltes verändert, führt dies innerhalb kürzester Zeit zu Verdauungsstörungen. In deren Folge können auch Herz, Kreislauf und Atmung beeinträchtigt werden.

    Besonders dramatisch verlaufen die akuten Magenblähungen und Magenüberladungen. Sie machen sich durch Unruhe der Tiere und Nahrungsverweigerung bemerkbar. Als Zeichen starker Schmerzempfindung knirschen die Tiere mit den Zähnen. Ihre Bauchdecken sind stark gespannt. Im weiteren Verlauf kommt es zu Atemnot und Kreislaufversagen.

    Die Magenblähung, Tympanie oder Trommelsucht wird hauptsächlich durch Verfütterung leicht gärfähiger Futtermittel ausgelöst. Dazu gehört feuchtes oder selbsterhitztes Grünfutter, Kohlgewächse, zu kaltes oder angefaultes Futter. Die Magenüberladung entsteht, wenn sich die Tiere an nicht rationiertem, quellfähigem Kraftfutter überfressen.

    Zur Rettung solcher Patienten ist Eile geboten. Die übliche Bauchschmerzbehandlung mit Wärmeflasche darf hier keinesfalls Anwendung finden. Die Wärme würde eventuelle Gärprozesse noch zusätzlich anregen. Sofortiger Futter- und Einstreuentzug, Verabreichung eines Blähmittels an geblähte Tiere und vorsichtige Bauchmassage sind die angemessenen Notmaßnahmen, die vom Tierbesitzer eingeleitet werden können. Aufgabe des sofort verständigten Tierarztes ist es, durch krampflösende, schmerzstillende, kreislaufstabilisierende und gasbindende Medikamente die lebensbedrohende Situation zu entspannen.

    Zur Vorbeugung ist es wichtig, nur einwandfreies und gut temperiertes Saftfutter anzubieten und die Tiere, besonders im Frühjahr, langsam und in kleinsten Rationen an frisches Grünfutter zu gewöhnen. Auf die gleiche Weise kann auch die Verträglichkeit von Kohlgewächsen erreicht werden. Vorsicht bei jungem Klee! Er wird von den Tieren gierig aufgenommen, ist aber stark gärfähig.

    Gutes Heu und frisches Wasser müssen zur freien Aufnahme ständig zur Verfügung stehen, während Körnerfutter auf zwei Eßlöffel pro Tier und Tag rationiert werden sollte.

    Ein großes Problem sind die Zähne. Bei falscher Ernährung und bei angeborenen Fehlstellungen können sie sich nicht genügend abschleifen und in alle Richtungen wachsen. Eine Zahnkorrektur ist dann unbedingt erforderlich.

    Zoonosen
    Als Zoonosen bezeichnet man Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen werden können. Die bedeutendsten Zoonosen aus Sicht der Schweinchenhalter sind die Lymphozytäre Chorio- Mengitis (LCM), die Salmonellose, Pseudo- Tuberkulose (Rodentiose), Pasteurellose, Leptospirose, Listeriose, und einige Pilzinfektionen. Diese Krankheiten werden vorwiegend durch direkten Kontakt, Schmutzinfektionen und Bisse übertragen.

  2. Redaktion sagt:

    Der Meerschweinchen -TÜV
    Meerschweinchen sind die besten Schauspieler der Welt, wenn es darum geht, Krankheiten zu verstecken. In freier Wildbahn wird ein offensichtlich krankes Tier sofort aus der Gruppe ausgestoßen, und das führt dann unweigerlich zum Tod. Deshalb wird sich kein Meerschweinchen eine bestehende Krankheit anmerken lassen, solange es sie noch verheimlichen kann.
    Nun hat es ein Tierarzt natürlich leichter ein Meerschweinchen zu behandeln, wenn sich eine Krankheit noch in einem relativ frühen Stadium befindet. Also müssen wir unsere kleinen Schauspieler ganz genau beobachten, um jedes noch so kleine Anzeichen für eine Krankheit rechtzeitig entdecken zu können.
    Dafür schaust du dir deine Meerschweinchen am Besten regelmäßig genau an. Schon während des Fütterns kann man oftmals erkennen, wenn etwas mit den Tieren nicht stimmt.

    Anzeichen für eine Erkrankung sind:

    Das Meerschweinchen kommt nicht oder langsamer als sonst zum Futter.
    Es hat Schwierigkeiten beim Kauen; Es ißt sehr langsam.
    Es ist lustlos, bewegt sich weniger als sonst oder erscheint ängstlicher als sonst.
    Es hat stumpfes Fell.
    Es hat trübe oder verklebte Augen oder die Augen tränen.
    Die Köttel sind weich; Die Poregion ist schmutzig.
    Das Meerschweinchen hat Schwellungen am Körper.
    Es kratzt sich häufig; Evtl. sind Haarlinge im Fell zu sehen.
    Nase oder Ohren sind verschmutzt.
    Das Meerschweinchen bewegt sich übervorsichtig.
    Einmal die Woche solltest du dir deine Meerschweinchen schnappen und sie untersuchen. So ein Meerschweinchen-TÜV läuft in etwa so ab:

    Du schaust dir genau die Augen deines Schweinchens an. Sind sie klar und glänzend ist alles in Ordnung. Sind sie aber trüb, tränend oder verklebt, ist das Schweinchen krank.
    Dann ist die Nase dran. Hier schaust du nach, ob sie frei und trocken ist. Ist sie feucht oder verklebt, ist das kein gutes Zeichen. Manche Meerschweinchen haben ab und zu schmutzige Nasen. Das kann u.U. normal sein. Wenn die Nasenlöcher trotzdem frei sind, ist das noch nicht unbedingt Grund zur Sorge. Im Zweifelsfall ist es aber immer besser einmal zu viel als einmal zu wenig zum Tierarzt zu gehen.
    Die Ohren werden danach untersucht, ob sie sauber sind.
    Dann schaust du dir den Mund an. Sind die Lippen verkrustet, könnte das Meerschweinchen Lippengrind haben. Das ist eine Krankheit, der du durch regelmäßige Gabe von wenigen geschälten Sonnenblumenkernen vorbeugen kannst.
    Die Zähne kannst du dir ansehen, indem du deinem Schweinchen die Lippen leicht auseinanderziehst. Sind die Zähne unten gleichmäßig begrenzt, in alles in Ordnung. Findest du eine wellen- oder bogenförmige Begrenzung vor oder ist ein Zahn abgebrochen, solltest du dein Schweinchen genau beobachten. Frißt es nicht mehr normal, dann muß es sofort zu einem Tierarzt.
    Das Fell des Meerschweinchens muß glänzen und sollte gleichmäßig dicht sein. Ist es stumpf, so stimmt u.U. etwas mit der Ernährung nicht. Kannst du Löcher im Fell finden (Die haarlosen Stellen hinter dem Ohr sind normal.), könnte dein Meerschweinchen evtl. einen Pilz haben. Kratzt sich das Schweinchen häufig, kannst du manchmal Haarlinge im Fell entdecken, manchmal sind die Verursacher auch Milben, die man nicht sehen kann. In jedem dieser Fälle ist ein Besuch beim Tierarzt angesagt.
    Dann wird das Meerschweinchen abgetastet. Hierbei kannst du Schwellungen jeglicher Art entdecken, so daß sie rechtzeitig behandelt werden können. Jedes Meerschweinchen hat übrigens zwei Brustwarzen relativ weit unten am Bauch. Die gehören da auch hin. Bei mir hat es eine Weile gebraucht, bis ich das raus hatte. ;)
    Wenn du ein Böckchen hast, dann schaust du nach, ob seine Perinealtasche sauber ist, und säuberst sie wenn nötig. Die Perinealtasche befindet sich unterhalb des Penis. Darin befindet sich eine Duftdrüse, mit der das Böckchen sein Revier markiert. Dabei stülpt das Meerschweinchen die Tasche hinaus und sammelt dabei oft unfreiwillig Streu und Köttel ein. Bei Kastraten ist das weniger häufig, kommt aber auch vor. Säubern kannst du die Perinealtasche mit Wattestäbchen und viel Babyöl. Dazu legst du dein Meerschweinchen am Besten auf den Rücken. Eine Wäscheklammer für die Nase kann im Übrigen sehr hilfreich sein. ;)
    Dann wird noch der Po untersucht. Er sollte sauber und trocken sein. Ein schmutziger Po deutet auf Durchfall hin, was bei Meerschweinchen eine schwere Krankheit sein kann. Sie kann u.U. tödlich enden, deshalb solltest du mit einem an Durchfall erkrankten Meerschweinchen sofort zum Tierarzt gehen.
    Schließlich solltest du dein Meerschweinchen wiegen. Ein ausgewachsenes Meerschweinchen schwankt in seinem Gewicht nicht wesentlich, wenn es aber krank wird, kannst du oft einen deutlichen Gewichtsabfall feststellen. Am Besten schreibst du das Gewicht regelmäßig auf. So hast du auf Dauer eine bessere Übersicht. Wenn dein Schweinchen übrigens gerade eine ausgedehnete Mahlzeit hinter sich hat, wird es auf jeden Fall mehr wiegen, als wenn es gerade enthaltsam war. Deshalb ist es sinnvoll, das Wiegen regelmäßig vor oder regelmäßig nach einer Fütterung vorzunehmen, so daß die Werte vergleichbar bleiben.
    Nach dem Meerschweinchen-TÜV kannst du deinem Schweinchen gleich die Krallen schneiden, wenn das nötig ist.
    Dazu kannst du dir dein Meerschweinchen z.B. auf den Arm legen, und dann mit einer Krallenschere, -zange oder einem einfachen Nagelknipser überlange Krallen zurechtstutzen. Dabei mußt du darauf achten, nicht zu viel abzuschneiden. Bei weißen Meerschweinchen erkennst du recht gut wo du ansetzen kannst. Der obere Teil der Kralle enthält nämlich noch Gefäße, die rosa hindurchscheinen. Wenn du hier hineinschneidest, wird es bluten (Falls das tatsächlich einmal passieren sollte, kannst du die blutende Kralle in ein Stück Seife drücken. Das stoppt die Blutung.). Die übrige Kralle ist durchscheinend. Am Besten läßt du einen gewissen Sicherheitsabstand zwischen dem durchbluteten Teil und der Schnittkante. Der Schnitt sollte übrigens schräg erfolgen, so daß der obere Teil der Kralle, der eine wenig härter ist als der untere, beim Laufen nachher den Boden berührt.

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    gefunden bei: ostseeschnuten.de

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