Knallerei schadet Mensch und Tier

29 Dezember 2009 2 Kommentare
eingetragen unter: Tier News

Haustiere und frei lebende Wildtiere leiden an Silvester unter extremer Geräuschsbelästigung verursacht durch Böller, Raketen und Co. …

Haustiere und frei lebende Wildtiere leiden an Silvester unter extremer Geräuschsbelästigung verursacht durch Böller, Raketen und Co. Ungewohnte Lautstärke und heftiges Knallen machen den Jahreswechsel für Haustiere zur Qual. Tierhalter sollten ihren tierischen Lieblingen in der Silvesternacht besondere Aufmerksamkeit schenken und geeignete Rückzugsmöglichkeiten schaffen. Der Deutsche Tierschutzbund bittet, am Waldrand, auf Waldlichtungen oder auch in der Nähe von Parkanlagen, Stallungen oder Privathaushalten mit Tieren „knallerfreie Zonen“ einzuhalten und dort auf keinen Fall Feuerwerke zu zünden.

Tierhalter sollten schon in den Tagen vor Silvester Vorkehrungen treffen und zum Beispiel Hunde in bewohnten Gebieten nur noch angeleint ausführen. Kracher könnten sie in panischem Schrecken davonlaufen lassen. Für Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen, Hamster und alle anderen Kleintiere ist der ruhigste Raum der Wohnung am Silvesterabend das beste Quartier. Bei geschlossenem Fenster und heruntergelassenen Jalousien sind sie von dem Trubel gut abgeschirmt. Der Vogel- und Kleintierkäfig sollte dabei weit vom Fenster entfernt stehen und zusätzlich durch ein großes Tuch abgedeckt werden. Am besten ist es, wenn die bekannte Bezugsperson an einem solchen Abend bei den Tieren bleibt und ihnen durch einen bewusst ruhigen und entspannten Umgang Sicherheit vermittelt. Auf gar keinen Fall sollten Beruhigungspräparate ohne Rücksprache mit einem Tierarzt verabreicht werden.

Wildtiere in Wald und Flur sind die Knallerei in der Silvesternacht gar nicht gewohnt. Deshalb appelliert der Deutsche Tierschutzbund dringend an alle Feiernden, besonders am Waldrand, auf Waldlichtungen, Parkanlagen, Stallungen oder auch in der Nähe von Privathaushalten mit Tieren auf keinen Fall Feuerwerke zu zünden.

Nach Möglichkeit sollten Haustiere in der Silvesternacht nicht allein gelassen werden.

Nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch Vögel und andere Tiere durchleiden vor allem auf dem Höhepunkt des Feuerwerks um die Mitternacht oft regelrecht Qualen. Die Lautstärke erschreckt die Tiere und kann zu Panikreaktionen führen. Außerdem kann der Schwefelgehalt der Raketen, der im Explosionsfeld der Knallkörper besonders hoch ist, vorübergehende Schleimhautreizungen in den empfindlichen Tiernasen sowie Augenbrennen auslösen.

Generell sollten Haustiere zu Silvester bei geschlossenen Fenstern und Türen in der Wohnung bleiben, um die Lautstärke des Feuerwerks zu dämpfen. Vertraute Geräusche können zudem ablenken. Hundehaltern rät das Ministerium, rechtzeitig vor dem Jahreswechsel einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Hund zu machen. Größere Spaziergänge zu Problemzeiten sollten vermieden und der Hund an der Leine geführt werden, um ein plötzliches Weglaufen zu verhindern. Tiere, die in Panik flüchten finden oft nicht von alleine wieder nach Hause zurück.

Doch nicht nur an die Vierbeiner im Haus, auch an Weidetiere sollte gedacht werden. Insbesondere bei Pferden und jungen Rindern besteht die Gefahr, dass sie in Panik geraten, ausbrechen und unter Umständen sogar Unfälle verursachen.

Generell sollte sich jeder fragen, ob es sinnvoll ist, Unsummen von Geld für ein scheinbares Vergnügen auszugeben, das von der Böllerindustrie suggeriert wird. „Die jedes Jahr verpulverten Millionen sollten nachdenklich stimmen“, mahnt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir raten das eingeplante Geld nicht komplett zu verknallen, sondern sinnvollen Zwecken und Einrichtungen beispielsweise den Tierschutzvereinen mit ihren Tierheimen zuzuführen“, so Apel.

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2 Kommentare zu “Knallerei schadet Mensch und Tier”

  1. Steffan sagt:

    Für die einen ist die Silvesterknallerei die reine Gaudi, für die anderen ein lärmendes Spektakel… Von
    Isabel Mittler

    Für die einen ist die Silvesterknallerei die reine Gaudi, für die anderen ein lärmendes Spektakel, bei dem zu viel Geld in der Luft verpulvert wird. Zu der Gruppe, für die die Knallerei gediegener und in kleinerem Umfang ablaufen könnte, würden sich sicher auch die vierbeinigen Freunde des Menschen gesellen – könnten sie sich dementsprechend ausdrücken. Ausdruck für die innere Anspannung bei Hund und Katze an Silvester sind Ausbüxen, sich verängstigt in eine Ecke verkriechen oder sogar ein “Bächlein” hinterlassen.

    Doris Prinz, die Leiterin des Kreuznacher Tierheims, weiß, was ihr und dem Team zum Jahreswechsel bevorsteht: Ein voll besprochener Anrufbeantworter. Sei es, dass Tierbesitzer sich vorsorglich erkundigen, wie sie ihrem haarigen Familienmitglied größeren Stress ersparen können, sei es, um das Abhandenkommen des Tieres unter der Telefonnummer 8 960 2 96 zu melden. “Mit jedem Knallfrosch werden Hund und Katze nervöser, steigern sich da hinein. Sie haben Angst, auch vor dem ungewöhnlichen Geruch”, weiß Prinz. Jeder der wisse, dass sein Hund nervös auf die Silvesterknallerei reagiert, sollte frühzeitig mit ihm solche Situationen trainieren. Im Bestfall sollten Hundebesitzer den Hund nicht bedauern, sondern ihn frühzeitig an ungewohnte Geräusche gewöhnen. Für Hund und Katze gelte gleichermaßen: “Auf keinen Fall bei der Böllerei mit Leckerlies trösten. Dann wird das Tier das immer wieder tun.”

    Die Angst der Tiere vor den lauten Raketen und Böllern kann sich in Dauer-Kläfferei oder aber bei den Katzen in tagelangem Verkriechen im Keller äußern. Die Kleintiere, also Hamster, Hase und Co, sollten in abgedunkelten Räumen ruhig den Jahreswechsel erleben, allen Hundebesitzern legt Prinz ans Herz: “Bitte bei allen Spaziergängen, gerade am 1. Januar, die Hunde an der Leine führen.” Es sei schon vorgekommen, dass Spaziergänger mit einem Hund in den Wald, mit zweien dann zum Tierheim gelaufen sind. Hier führt das Tierheimteam dann Herrchen und Vierbeiner wieder zusammen. Manchmal müsse man einfach abwarten, bis das Tier als zugelaufen gemeldet wird. In schwierigen Fällen wird sogar mit der Polizei kooperiert. Vor Schreck kann ein Tier ungewohnt aggressiv werden. Nicht selten gerieten sich da bei den Neujahrsspaziergängen nicht nur frei laufende Hunde, sondern auch deren Besitzer in die Haare, kann Doris Prinz einige Vorfälle an diesen “Chaostagen” schildern. In einer Silvesternacht wurde das Tierheim sogar alarmiert, um einen verstörten Schwan von der Wilhelmstraße zu holen und zurück in die Nahe zu setzen.

    Katzen sollten die Tage rund um den Jahreswechsel – auch wenn ihnen das zunächst gar nicht schmecken mag – in den vier Wänden der Besitzer verbringen. Gut sei auch, mit den Tieren vor Mitternacht zu spielen, damit sie etwas anderes im Kopf haben. Falls ein Vierbeiner aus Angst pinkelt, so sollte der Besitzer der Angelegenheit wenig Aufmerksamkeit schenken, rät Prinz. Im Tierheim werden die Katzen in der Silvesternacht im von der Straße ferneren Teil schnurren und schlummern, die Pferde auf der Koppel seien bereits durch Gießkannenklappern an Radau gewöhnt. Denn die Liebhaber des Feuerwerkes kommen von Jahr zu Jahr näher ans Tierheim heran – wegen des hohen Standortes und der Aussicht auf die Stadt. Den Spaß daran will Doris Prinz allerdings keinem nehmen. Aber sie würde sich wünschen, “dass sich mehr Nachbarn in einer Straße zusammenschließen und so weniger Feuerwerkskörper abgeschossen werden”. Das würde auch der Umwelt zugute kommen.

    Doris Prinz hat übrigens ein ganz persönliches Silvester-Beruhigungsrezept für den Hütehund einer Bekannten: Der große Balou nimmt regelmäßig zum Jahreswechsel auf ihrem Schoß Platz. Das lässt die Leiterin des Tierheims dann auch kommentarlos geschehen…

  2. Klausi sagt:

    Tierschutzobudsmann Alexander Geyrhofer: Knallkörper und Raketen haben im Freiland dramatische Folgen für die dort lebenden Tiere. Bei Wildtieren ist auch Tod durch Panik möglich. Expertentipp für Haustiere: Katzen ins Haus, Hunde beschäftigen.
    Tierschutzobudsmann Alexander Geyrhofer: Knallkörper und Raketen haben im Freiland dramatische Folgen für die dort lebenden Tiere. Bei Wildtieren ist auch Tod durch Panik möglich. Expertentipp für Haustiere: Katzen ins Haus, Hunde beschäftigen.

    SALZBURG (SN). In den Tagen des bevorstehenden Jahreswechsels haben Amateurfeuerwerker Hochsaison. Leuchtkugeln, bunte Raketen und Knallkörper verschiedenster Art werden verwendet. In verbauten Bereich werden dadurch vor allem ruhebedürftige und kranke Personen gestört. “Das Werfen von Knallkörpern oder Abschießen von Raketen hat auch im Freiland dramatische Auswirkungen”, warnte am Freitag der Tierschutzombudsmann des Landes Salzburg, Alexander Geyrhofer.

    Tod durch Erschöpfung wegen Panik möglich
    Die heimischen Wildtiere, vom kleinsten Singvogel bis zum Rothirsch, reagieren auf für sie ungewohnte Störungen durch weithin hör- und sichtbare Silvesterraketen mit panikartiger Flucht, für die besonders viel Energie aufgewendet werden muss. Vor allem im Winter haben die meisten Wildtiere jedoch zu wenig Futter, um den lebensnotwendigen Energiebedarf decken zu können. Schnee und Eis im Winter verschärfen diese Situation noch, so dass zusätzlicher Stress sogar zum Tod von Tieren durch Erschöpfung führen kann.

    Der Tierschutzombudsmann ersucht daher, aus Rücksicht auf die heimischen Wildtiere auf das Abschießen von Raketen und bedenkenlose Werfen von Knallkörpern zu verzichten. Leider sei in den vergangenen Jahren die Knallerei nicht mehr nur auf die Nacht von 31. Dezember zum 1. Jänner beschränkt, sondern zieht sich in manchen Orten bis weit über Dreikönig hin, so die Kritik des Experten.

    Expertentipp: Katzen ins Haus, Hunde beschäftigen
    Auch Haustiere sind zu Silvester erhöhtem Stress ausgesetzt: Katzen sollten nur kurz aus dem Haus gelassen werden und auf keinen Fall die Silvesternacht im Freien verbringen. Durch Lichtblitze und Knallerei können Hauskatzen zu panikartiger Flucht veranlasst werden und in weiterer Folge die Orientierung verlieren. Die Gefahr, dass die Katzen dann nicht mehr nach Hause zurück finden, ist groß. Nicht vergessen werden soll, der Katze genügend Katzentoiletten zur Verfügung zu stellen.
    Hunde sollten möglichst ihren gewohnten Tagesablauf beibehalten können. Besonders wichtig ist es, dass man als Besitzer Ruhe bewahrt, da sich Hunde sehr stark an dem Befinden des “Rudelführers” orientieren. Der Abendspaziergang ist möglichst bei Tageslicht zu machen, und gefährdete Hunde sollten auf keinem Fall von der Leine gelassen werden. In der Wohnung ist es ratsam, Radio oder Fernseher laufen zu lassen und die Tiere möglichst zu beschäftigen. Suchspiele mit geeigneten Leckereien, aber niemals Schokolade oder anderen Süßigkeiten, können Erleichterung und Ablenkung bringen. Sollte das Tier besonders empfindlich sein, so können auch Beruhigungstropfen oder Beruhigungsmittel gegeben werden. Über geeignete Mittel gibt der Tierarzt Auskunft, so der Tierschutzobudsmann in einer Aussendung.

    © SN/SW

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